MATTHÄUS-PASSION BWV 244
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Führt man sich die Probleme vor Augen, die Johann Sebastian Bach als Thomaskantor mit den ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Kräften hatte -- sie manifestieren sich eindrucksvoll in seinem "Entwurff einer wohlbestallten Kirchen Music" -- , so fragt man sich, ob es ihm jemals vergönnt war, seine Matthäuspassion so aufgeführt zu erleben, wie sie in seiner Vorstellung existierte. Schließlich übersteigt dieses Werk an Umfang und Anlage alles vorher Dagewesene. Die dialogische Struktur des Werks, die musikalisch zwei getrennte Ensembles bedingt, welche nur in den Chorälen und einigen Chorsätzen zusammenkommen, basiert auf der Struktur von Picanders Textbuch: Es ist als Zwiegespräch zwischen der Tochter Zion und den Gläubigen angelegt. Im Zeitalter der historischen Aufführungspraxis ist kein Riesenensemble von über hundert Musikern mehr nötig, um die Größe dieser Musik hörbar zu machen. Vielmehr ist es die innere Dramatik, durch rhetorisch-musikalische Mittel zum Vorschein gebracht, die zu den eigentlich bewegenden Effekten führt. Ton Koopman ist ein Meister dieser Dramatik, und er gebietet über ein Ensemble, das seinem Gestaltungswillen perfekt zu folgen vermag. Der wohlklingende, flexible Chor der Niederländischen Bachvereinigung bewährt sich aufs Vortrefflichste in seiner dreifachen Aufgabe: Mit schlanker, aber klangvoller Stimmgebung macht er die großen Bögen des Eingangs- und Schlußchors hörbar, und gleichzeitig bleibt er -- vor allem im ersten Satz -- für die Feinheiten des Dialogisierens. Die Choräle als kirchenliedhafte Stellungnahme der Gläubigen werden sehr von ihrer textlichen Gestalt ausgehend dargeboten, ohne jedoch zu zerfallen, und die Turbae -- die Rede der Jünger oder das Geschrei des Volkes -- erklingen rasant und energiegeladen. Unter den Solisten ist vor allem Barabara Schlick hervorzuheben: Sie war bei dieser Aufnahme in absoluter Höchstform. Ihre atemberaubend ruhige, leise und doch dichte Interpretation der Arie "Aus Liebe will mein Heiland sterben" lässt die Aussage dieses zarten Bekenntnisses mitten im Getümmel der blutgierigen Massen unmittelbar verstehen. Diese Unmittelbarkeit fehlt oft leider dem Sänger der Jesus-Partie, Peter Kooy: Durch seine etwas unfreie Stimmgebung versteckt er sich in sängerischer Pose, wo er klar und direkt sein sollte. Guy de Mey ist ein guter Evangelist, er gestaltet die Erzählung lebendig und reagiert auf jede Nuance des Textes. Hervorragend sein Arien-Kollege Christoph Prégardien: er meistert die kurze, aber schwere Partie souverän und stimmschön. Klaus Mertens steigert sich zum Ende hin, während seine erste Arie noch etwas unter mangelnder Spannung und aspirierten Bindungen ("Ge -herne wi -hill ich...") leidet. Kai Wessel gestaltet schön, wenn auch mit etwas mulmigen Vokalen. Und Ton Koopman? Bach ist bekanntlich sein Lieblingskomponist. Unter seinen Händen entfaltet sich das großartige theologische und musikalische Geschehen zu einem spannenden u
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85.99 EUR*
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MATTHÄUS-PASSION BWV 244
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