PIANO CONCERTO NO.1
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Ein Leckerbissen für alle Freunde spektakulärer Klaviermusik ist die neue CD des türkischen Pianisten Fazil Say: Sie enthält Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll und Liszts h-Moll-Sonate -- zwei herausragende Spitzenwerke des virtuosen Klavierrepertoires im 19. Jahrhundert. Fazil Say stellt im Gewimmel paralleler Oktaven, rasend schneller Läufe und kniffligsten Passagenwerks ein ansehnliches technisches Vermögen unter Beweis, auf das er sich auch in der besonderen Anspannung einer Livesituation (das Klavierkonzert ist ein Mitschnitt) offenbar ganz gut verlassen kann. Er bevorzugt einen hellen, schlanken Klavierton und gestaltet technisch schwierige Stellen durchsichtig und klar artikuliert. Jugendliche Frische und Spielfreude sprechen aus seinen oft recht sportlichen Tempi. Ähnlich wie Glenn Gould hört man auch ihn bisweilen selbstvergessen mitsingen, was als Zeichen für tiefste Versenkung in sein Tun gelten mag. Der kleine, aber nicht unerhebliche Haken liegt für den Kenner der beiden Stücke, wie so oft, auch hier wieder einmal im Vergleich mit anderen Interpretationen: Im Fall des Tschaikowsky-Konzerts ist es etwa Ivo Pogorelich, der bei seiner Aufnahme von 1985 nicht nur mit mehr Kraft und Prägnanz, sondern stellenweise auch mit größerer technischer Perfektion aufwarten kann. Pogorelich demonstriert, wie es klingt, wenn man vollkommen über dem schwierigen Stück steht. Für die Liszt-Sonate sei Sviatoslav Richters Liveaufnahme von 1960 angeführt: Der russische Gigant findet schon in den ersten paar Minuten zu einem derart erschütternden Ausdruck, dass der Hörer den Eindruck gewinnt, hier spiele jemand um sein Leben. So existenziell tönt es bei Fazil Say trotz sehr guter Anlagen noch nicht. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich dieses Nachwuchstalent noch entwickelt. Viel versprechend sind u.a. auch seine Bach-Interpretationen, ärgerlich ist, dass er sich nach wie vor auch als Jazz-Musiker betrachtet, woran die Medien sicher nicht ganz unschuldig sind: Sie lobten größtenteils sein Gershwin-Experiment, das echte Jazzer nur die Haare raufen ließ. Überhaupt zeichnet sich im Blick auch auf die vorliegende CD eine Problematik ab, die viele junge Künstler überfordert oder frühzeitig verschleißt: Marktstrategische Überlegungen führen zur Bevorzugung Aufsehen erregender Veröffentlichungen (Klassikpianist kann auch Jazz, junges Talent glänzt mit Tour de Force im hochvirtuosen Bereich) gegenüber solchen, die der gesamtkünstlerischen Entwicklung des Künstlers dienlicher wären. --Michael Wersin
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PIANO CONCERTO NO.1
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