Ninja AutoBarista Pro Test
Unser Testergebnis
Unser Test-Fazit
Die Ninja AutoBarista Pro ist Ninjas erster Kaffeevollautomat und bringt frische Ideen in die Welt der Vollautomaten. Austauschbare Bohnenbehälter, ein Zero-Retention-Mahlwerk und der beste kalte Milchschaum im bisherigen Testfeld. Warmer Milchschaum gelingt cremig, Cappuccino und Latte Macchiato überzeugen. Schwächen zeigen sich beim Espresso, denn der automatische Mahlgrad lässt sich kaum manuell anpassen und das Ergebnis bleibt oft zu dünn und säuerlich. Auch die Programmierung über das kleine Display ist mühsam, ein Touchscreen fehlt. Die AutoBarista ist ideal für alle, die vor allem Milchgetränke und Kaltkaffee lieben. Wer dagegen maximale Kontrolle über den Espresso will, ist woanders besser aufgehoben.Vorteile
- Toller kalter Milchschaum Wunderbar cremig, besser als bei anderen Automaten
- Zwei Bohnenbehälter Je 340 g, einfacher Wechsel dank Zero-Retention-Mahlwerk
- 13 Getränke Von Espresso bis Cold Brew und Iced Latte auf Knopfdruck
- Einfache Reinigung Brühgruppe entnehmbar, Kännchen schnell ausgespült
Nachteile
- Kaum Mahlgrad-Kontrolle Grind IQ bevormundet, Espresso oft etwas dünn
- Umständliches Display Programmierung mühsam, kein Touchscreen vorhanden
Preisvergleich
Ausführlicher Testbericht
Ninja AutoBarista Pro im Test: Wird die Luxe jetzt zum Vollautomaten?
Die Ninja Luxe Café Serie gehört für uns zu den größten Kaffee-Überraschungen der letzten Jahre. Die Siebträger-Modelle von Ninja haben im Test richtig überzeugt – und jetzt legt der Hersteller nach: gleiche Grundidee, aber diesmal nicht als Siebträger, sondern als Vollautomat. Das klingt erst einmal vielversprechend. Doch im Test zeigt sich, dass es nicht ganz so einfach ist. Die Ninja AutoBarista Pro macht eine Sache besser als jeder andere Vollautomat – und trifft gleichzeitig eine Design-Entscheidung, die im Alltag echte Nerven kostet. Wir haben die Maschine ausführlich getestet und klären, ob sich die Anschaffung lohnt.

Solide gebaut, aber ohne Touchscreen
Beim Auspacken fällt sofort auf: Die AutoBarista ist ein ziemlich klobiges Gerät – ähnlich wie schon die Luxe. Die Verarbeitung wirkt dafür durchweg solide. Das Gehäuse besteht teilweise aus Edelstahl, der Rest aus hochwertigem Kunststoff, und es wackelt oder knarzt nichts. Eine Besonderheit ist der Auslauf: Er lässt sich nicht in der Höhe verstellen. Stattdessen setzt Ninja auf eine höhenverstellbare Tassenablage – im Alltag funktioniert das, bleibt aber eine ungewohnte Lösung.
Das eigentliche Highlight sitzt oben auf der Maschine: der austauschbare Bohnenbehälter mit Zero-Retention-Mahlwerk. Im Mahlwerk bleiben keine Bohnenreste hängen, sodass sich der Behälter einfach abnehmen und gegen einen anderen tauschen lässt – etwa abends auf entkoffeinierte Bohnen. Beim Bohnenwechsel muss man das Mahlwerk also nicht erst leer mahlen und keine einzige Bohne geht verloren. Bei den meisten anderen Vollautomaten ist ein solcher Sortenwechsel deutlich umständlicher. Das ist clever gelöst und typisch Ninja.

Die Bedienung: Radiowecker statt modernem Display
Ein Kritikpunkt fällt allerdings direkt ins Auge: Für ein Gerät in dieser Preisklasse fehlt ein Touchscreen – und damit sind wir beim Thema, das im Alltag am meisten beschäftigt hat.
Im täglichen Gebrauch ist die Bedienung unkompliziert: Erst das Getränk über die Sensortasten auswählen, dann den Bezug über den großer Drehregler in der Mitte starten – das klappt problemlos. Zur Auswahl stehen 13 verschiedene Getränke, von Espresso über Cappuccino bis zum Cold Brew. Zäh wird es erst, wenn man die Maschine programmieren möchte, etwa um die Milchtemperatur anzupassen. Das läuft über ein kleines Display, das eher an einen alten Radiowecker erinnert als an einen modernen Vollautomaten. Man hangelt sich durch die Menüpunkte, was gewöhnungsbedürftig und stellenweise ziemlich nervig ist. Die meisten anderen Vollautomaten dieser Preisklasse bieten inzwischen einen echten Touchscreen oder sogar eine App-Steuerung – die AutoBarista hat beides nicht.

Dazu kommen einige Kleinigkeiten: Die Benachrichtigungstöne sind so penetrant, dass wir sie direkt ausgeschaltet haben, und das Mahlwerk arbeitet mit rund 75 db ordentlich laut. Positiv ist, dass sich trotzdem einiges anpassen lässt – etwa Brühtemperatur, Milchtemperatur und die Dicke des Milchschaums. Anders als bei anderen Vollautomaten erfolgt die Einstellung des Mahlgrads automatisch, das heißt man muss den Mahlgrad nicht über ein kleines Rädchen im Bohnenbehälter einstellen.

Grind IQ: Gute Idee, halbe Umsetzung
Das größte Versprechen der AutoBarista heißt Grind IQ. Die Maschine ermittelt den optimalen Mahlgrad selbst und kalibriert sich automatisch, sobald man Bohnen einfüllt. In der Praxis braucht das jedoch Geduld: Bei uns dauerte es bis zu 6 Espresso-Bezüge, bis die Maschine korrekt eingestellt war – das kostet Zeit und verbraucht reichlich Bohnen. Zum Vergleich: Mit der halbautomatischen Barista-Assist-Funktion der Ninja Luxe Serie war das Ziel oft schon nach zwei bis drei Bezügen erreicht.
Und das Ergebnis? Okay, aber nicht mehr. Der automatisch ermittelte Mahlgrad war uns tendenziell zu grob. Der große Haken folgt sofort: Der Mahlgrad lässt sich nicht manuell einstellen. Möglich ist lediglich eine Anpassung über das Menü in einer Spanne von plus zwei bis minus zwei – aber immer nur abhängig vom ermittelten Grind-IQ-Wert. Das System ist grundsätzlich eine nette Idee, doch warum sich der Mahlgrad nicht zusätzlich frei verstellen lässt, bleibt schwer nachvollziehbar.

Dabei stimmt die Basis eigentlich: Die AutoBarista arbeitet mit richtig viel Kaffee. Beim Double Shot landen rund 18 Gramm im Puck, beim Triple Shot schätzungsweise deutlich über 20 Gramm – das ist absolute Spitze bei Kaffeevollautomaten. Solche Mengen kennt man sonst nur von Siebträgermaschinen, und der Espresso wird dadurch richtig intensiv. Viele Vollautomaten dosieren deutlich sparsamer, weshalb die Getränke dort oft mild und wässrig schmecken.

Umso ärgerlicher, dass der Mahlgrad dieses Potenzial ausbremst. Der Double Shot bleibt selbst mit maximaler Anpassung auf minus zwei etwas zu wässrig: wenig Körper, dünne Crema und eine leicht säuerliche Note. Der beste Espresso gelang uns nur mit einem Trick – einen Triple Shot starten und den Bezug nach rund 30 Sekunden vorzeitig abbrechen. Dann ist das Ergebnis kräftig und aromatisch. Das gleiche Bild zeigt der Café Crema, der beim regulären Bezug dünn und wässrig bleibt und erst beim Triple Shot deutlich aromatischer wird. Ein Automatik-System, das nur mit Tricks einen guten Espresso liefert, verfehlt aber seinen eigentlichen Zweck.
Das Milchsystem der Luxe – und es überzeugt
Das Milchsystem funktioniert bei der AutoBarista komplett anders als bei allen bisher getesteten Vollautomaten. Statt Milchbehälter oder Milchschlauch gibt es eine Dampflanze und ein Milchkännchen mit eingebautem Schneebesen im Boden – genau das System, das schon bei der Ninja Luxe überzeugt hat. Man stellt das Kännchen unter, wählt sein Getränk, und die Maschine schäumt die Milch automatisch auf; Dicke und Temperatur des Schaums lassen sich einstellen.

Beim Cappuccino kommt der Schaum schön cremig und kompakt aus dem Kännchen und sitzt sauber auf dem Espresso – an der Schaumqualität gibt es hier nichts zu bemängeln, das Getränk schmeckt ausgewogen und lecker. Auch der Latte Macchiato macht etwas her: schöne Schichten im Glas, und der Schaum hält sich ordentlich, statt sofort zusammenzufallen. Der warme Milchschaum ist damit rundum gelungen. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dennoch: Beim automatischen Aufschäumen wird die Milch selbst auf der niedrigsten Temperatureinstellung mit knapp 70 °C relativ heiß. Wem das nicht gefällt, der kann die Milch an der Dampflanze auch manuell aufschäumen.

Kalter Milchschaum wie cremiges Softeis
Die AutoBarista beherrscht auch Kaltgetränke: Cold Brew und Iced Latte gelingen direkt auf Knopfdruck, ohne Extra-Geräte und ohne Umwege. Das können längst nicht alle Vollautomaten, und gerade im Sommer ist das ein Feature, das man nicht unterschätzen sollte. Bei der Messung zeigt sich allerdings: Mit rund 50 °C ist der kalte Kaffee zwar deutlich kühler, aber nicht wirklich kalt. Mit Eiswürfeln und einem Schuss Milch wird er trotzdem zu einer leckeren Erfrischung für heiße Tage.
Das eigentliche Highlight der ganzen Maschine ist jedoch der kalte Milchschaum. Er ist wunderbar cremig – und damit deutlich besser als bei allen anderen bisher getesteten Vollautomaten. Bei den meisten Geräten wird kalter Milchschaum dünn und fällt schnell zusammen. Hier bleibt er stabil und erinnert vom Mundgefühl fast an cremiges Softeis. Verantwortlich dafür ist der kleine Schneebesen im Boden des Kännchens, der die Milch auch ohne heiße Luft gut aufschäumt. Der Iced Latte ist damit das persönliche Highlight aus dieser Maschine – einfach richtig lecker.

Reinigung unkompliziert dank cleverer Details
Bleibt die Frage nach dem Alltagsaufwand. Die Reinigung ist bei der AutoBarista grundsätzlich mit anderen Vollautomaten vergleichbar: Tropfschale und Kaffeesatzbehälter lassen sich einfach nach vorne herausziehen, die Brühgruppe ist entnehmbar. Die Milchlanze sollte man nach jedem Aufschäumen mit einem feuchten Lappen abwischen; zusätzlich führt die Maschine einen kleinen Flush durch, sobald man sie in die Ausgangsposition zurückstellt. Das Milchkännchen wird nach der Benutzung einfach ausgespült – deutlich unkomplizierter als die Milchschläuche und Aufschäumer-Systeme vieler anderer Vollautomaten. Zusätzlich profitiert man beim Reinigen vom Zero-Retention-Mahlwerk: Es bleibt praktisch nichts im Mahlwerk hängen, sodass nichts verloren geht und keine alten Reste zurückbleiben.

Unser Fazit: Starke Ideen, noch nicht ganz ausgereift
Ist die Ninja AutoBarista Pro die neue Luxe unter den Vollautomaten? Nur zum Teil. Erfreulich ist, dass Ninja nicht einfach den x-ten austauschbaren Vollautomaten auf den Markt wirft, sondern frische und innovative Ideen mitbringt: den austauschbaren Bohnenbehälter, das Zero-Retention-Mahlwerk und den besten kalten Milchschaum, den wir je bei einem Vollautomaten hatten. Das ist typisch Ninja und gefällt uns. In der Praxis wirkt die Maschine jedoch an einigen Stellen noch nicht ausgereift. Die Programmierung über das Mini-Display ist mühsam, und vor allem bevormundet die Grind-IQ-Mahlgradverstellung ohne echten Grund. Ohne manuellen Mahlgrad bleibt der Espresso hinter seinen Möglichkeiten – je nach Einstellung entweder etwas dünn oder etwas bitter.
Preislich liegt die AutoBarista zum Zeitpunkt unseres Tests bei rund 900 Euro. Und genau hier wird es schwierig: Die Ninja Luxe Premier kostet aktuell nur etwa die Hälfte und ist damit das überzeugendere Gesamtpaket. Wer unbedingt einen Vollautomaten möchte, sollte sich die De'Longhi Eletta Explore ansehen – ähnlicher Preis, ebenfalls kalte Kaffeespezialitäten, geschmacklich stark und dank richtigem Touchscreen deutlich einfacher zu bedienen.
Fairerweise muss man erwähnen, dass die AutoBarista brandneu auf dem Markt ist. Neuerscheinungen sind oft etwas teurer, und die Preise sinken erfahrungsgemäß mit der Zeit – so war es bereits bei der Luxe. Sollte die AutoBarista noch einmal 100 bis 200 Euro günstiger werden, fällt die Preis-Leistungs-Bewertung deutlich freundlicher aus. Bis dahin gilt: vielleicht einfach einen Kaffee trinken und abwarten.